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Singapur, 11.11.08

So, hat ja mal wieder etwas gedauert und da ich mit der Zeit eine gewisse Schreibfäule erreicht habe, werde ich mich kürzer fassen und mehr Bilder sprechen lassen.
Zuerst jedoch eine kleine Zusammenfassung, denn inzwischen ist ja mehr als die Hälfte meiner Zeit hier um.
Singapur gefällt mir eigentlich ganz gut. Jedoch käme für mich ein Leben auf Dauer hier nicht in Frage. Die Stadt ist eben nichts besonders asiatisches. Es ist eine Enklave für reiche Menschen aus ganz Asien, die mit dem Rest der Welt nicht viel zu tun haben wollen. Ich habe letztens gehört, dass es hier wohl die höchste Millionärsdichte weltweit gibt. Das kommt natürlich nicht an Moskau ran mit der höchsten Milliardärsdichte, dafür ist hier ein wenig transparenter woher das Geld kommt und man fühlt sich hier auf offener Straße auch bei Nacht sicher. Allerdings hat diese Sicherheit hier seinen Preis. Meiner Meinung nach geht dieses Sicherheitsgefühl, die Ordnung und die Gradlinigkeit dieser Stadt einher mit einem großen Verlust asiatischer Kulturidentität. Man muss sich ja mal fragen, warum es hier für jeden Schwachsinn Schilder gibt und alles völlig überreguliert wird. Das müsste man in einer Gesellschaft, die eine solche Ordung als Norm lebt, nicht tun. Das ist hier nur notwendig weil es eigentlich nicht der Kultur und dem Lebensgefühl der Menschen entspricht. Das wird einem besonders dann klar, wenn man Singapur verlässt. Man fährt eine halbe Stunde im öffentlichen Bus über die Grenze und befindet sich in einer völlig anderen Welt. Auf dem Weg dorthin wurde einem allerdings 5 mal gepredigt wie schlecht Drogen sind und dass bei Zuwiderhandlung gegen gewisse Regeln der Strick auf einen wartet.
Das alles ist für einen Europäer eigentlich kein Problem. Diese Regulierung des Staates kommt uns sogar eigentlich entgegen. Für eine paar Monate ist diese Stadt also vor allem wegen ihrer Nähe zu den schönen Ländern Malaysia und Indonesien reizvoll, allerdings nicht auf Dauer.

 

Man kann sich das hier in den öffentlichen Verkehrsmitteln aussuchen:10x Wasser trinken oder einmal den Zug anzünden.

Ja! So wird die Bahn betreten!

In der Mensa hat auch religiös alles seine Ordnung. 

 

Ansonsten macht mir mein Aufenthalt hier jedoch große Freude. Ich treffe sehr interessanten Menschen und darf übers Wochenende zu Stränden reisen, die dem Paradies doch schon recht nahe kommen.
Nun allerdings eine kurze Zusammenfassung von ein paar weiteren Reisen, die ich bisher unternommen habe:

Kuala Lumpur:
Eine sehr interessante Stadt, die nie schläft. Also das perfekte Ausflugsziel für ein Wochenende.  Mitten in der Stadt hält man sich um den Fernsehturm ein kleines Stück Regenwald und darum kann es auch vorkommen, dass man hier und da ein paar Affen begegnet.  


 Regenwald im Stadtzentrum


 Unter den Petronas Towers

In den Petronas Towers. Falls sich manche Leute gefragt haben, warum ich in Deutschland nie kurze Hosen und Flip Flops trage, ist diese Bild hoffentlich Antwort genug. Ich sehe hier aus wie ein Umweltaktivist.

Hier wird wirklich alles gefälscht

Uhr gefällig?

 

Bintan:
Eine sehr schöne Insel in Indonesien, nur zwei Stunden mit dem Boot von Singapur entfernt. Dort habe ich drei Tage verbracht und außer einem verrückten Australier, indonesischem Bier und einem Traumstrand gibt es nicht viel zu berichten. Eine kleine Geshichte gibt es allerdings schon:
Ich saß auf dem Rückweg zur Fähre mit zwei anderen in einem typischen indonesischen Auto, dass uns zum Hafen bringen sollte. Das Auto war natürlich nach höchsten deutschen Sicherheitsstandards für den Verkehr dort gerüstet, den man im übrigen nicht beschrieben kann. Das muss man erlebt haben. Nur ein paar Anhaltspunkte: Mittelstreifen, Fußgängerüberwege, Ampeln und eine offizielle Übereinkunft in welche Richtung die Straßen zu befahren sind, existiern zwar, allerdings ist gerade das letzte eher Ansichtssache, ob man sich dran halten sollte. Es kann also vorkommen, dass man glaubt man sei auf der richtigen Straßenseite und plötzlich kommt einem eine indonesische Familie (Mutter, Vater und mindestens zwei Kinder und Einkäufe) auf EINEM Mopet entgegen. Der Vater hat aber im Normalfall das kleinste Kind vor sich gestetzt und so in einen praktischen Airbag für den Rest umfunktioniert. Gewusst wie!
In diesem Verkehr also hatten wir einen Fahrer der besonderen Sorte erwischt. Es ist schwierig zu sagen in welchem körperlichen und und vor Allem geistigen Zustand er sich befand aber wach war er nicht. Soviel kann ich definitiv sagen. Alle paar Minuten hat er und das ist nicht übertriben, die Augen geschlossen und ist auf die andere Straßenseite abgedriftet. Zur Beunruhigung aller im Auto hat er dann alle paar Minuten eine Sonnenbrille aufgesetzt. Das bedeutete dann völlige Blindfahrt. Ich musste dann alle paar Minuten gegen den Sitz schlagen und ihn aufwecken, indem ich irgendwas auf ihn eingebrüllt habe, wenn uns mal wieder jemand entgegen kam. Ich sage "irgendetwas" auf ihn eingebrüllt weil er natürlich kein Wort englisch gesprochen hat. Eine Mitfahrerin sagte dann nach der Fahrt, dass es doch eine Erleichterung gewesen sei, dass mich Gott mit einem so durchdringend lauten Organ gesegnet hat. Ich wusste immer, dass würde mir nochmal weiterhelfen. (@Pulle: Draussenstimme eben)

Kokosnuss im Überfluss

 

5 Euro pro Nase pro Nacht

 

Perhentian Islands:
Inselkette im Nordosten Malaysias. Sehr schön und die Bilder sollten für sich sprechen.
Eine kleine Anekdote:
Der sicherlich schönste Aspekt dieser Inseln ist die Möglichkeit zu schnorcheln. Man muss überhaupt nicht rausfahren sondern kann das alles vom Strand aus erledigen und hat in direkter Küstennähe(so nah, dass selbst ich rausschwimmen und wieder zurückfinden kann) unzählige Korallen und Fische. Die Highlights waren wahrscheinlich die enorm großen Wasserschildkröten und Stachelrochen.
Da ich bisher noch nie schnorcheln war, kann ich hier keinen Vergleich anstellen, aber ich habe mit ein paar Tauchern gesprochen, die mir versicherten, dies sei einer der schönsten Orte weltweit.
Nun kurz die Geschichte: Wir haben also am zweiten Tag eine 5-stündige Schnorcheltour für umgerechnet 5 Euro gebucht und uns mit einem Führer/Bootsfahrer/Einheimischen auf den Weg gemacht. Da ich das noch nie gemacht hatte und wie alle wissen, die mich kennen wohl jede nur erdenkliche Phobie habe, dachte ich es wäre nett mit etwas leichtem am Morgen anzufangen. Ich hatte also so etwas wie ein paare Clownfische und Korallen im Sinn. Wir fahren also raus und nach 20 Minuten auf der andern Seite der Insel hält der Fahrer an. Er sagt wir könnten jetzt ins Wasser. Auf die Frage, was wir denn hier zu sehen bekämen, kam (exakter Wortlaut) die Antwort: "This is sharkpoint, but no dangerous." Also genau das, was ich mir für 10:00 Uhr Morgens erhofft hatte. Allerdings war unser Fahrer natürlich vertrauenswürdig, da er ein 3-stündiges Fernstudium über Meeresbiologie der renommierten Universität von Perhentian Islands auf Kasette hinter sich hatte. Ich hatte vorher schon gehört, dass es wohl Haie geben würde, das jedoch weitesgehend verdrängt. Nach ein paar Minuten im Wasser haben wir dann auch ein paar gesehen. Natürlich waren die eher von der kleineren Sorte(ich schätze mal bis zu 1,2 m) und attackieren würden die einen wohl auch nicht, aber die Erfahrung direkt neben ein paar Haien zu schwimmen war schon mal was anderes.

Unser Fahrer bei der Schnorcheltour:"This is sharkpoint but no dangerous."

Die Hotelrezeption

Die Moschee in Jerteh auf der Rückfahrt von den Perhentian Islands.

Kurzes Update nun zu dem, was ich hier noch so tue:
Meine letzte Klausur ist am 29.11 und dann werd ich wohl nach Kambodscha fliegen und über Thailand nach Singapur zurückkehren, bevor ich am 22.12. nach Deutschland zurückkomme.
Hoffentlich sehe ich einige von euch zur Weihnachtszeit.
Zum Abschluss noch ein paar Bilder vom Formel 1 Rennen und aus Melakka, einer Stadt in Malaysia, wo sich Portugiesen und Holländer in der Kollonialzeit rumgetrieben haben.

 

 3-Tage Rennen für 100 Euro. Das kann man sich noch leisten.

Mein "Hotel" in Melakka 1

Mein "Hotel" in Melakka 2

Chinesicher Tempel in Melakka

Diese Pose machen die immer. Selbst neben einer Kanone!

Ist schwerer als man glaubt

 

 

 

 

 

 

 

12.11.08 03:16


Singapur 2008

 

 

Moin Moin und einen schönen Gruß aus Singapur.

Ich bin nun seit knapp 10 Tagen hier und freue mich auf die folgenden 5 Monate „Biosauna“.

Denn anders kann man das hier wirklich nicht beschreiben. Es sind tagsüber angenehme 29-32 Grad und nachts kühlt es sich, wenn man viel Glück hat, auf ca. 26 Grad ab. Das wäre auch alles kein Problem wenn die Luftfeuchtigkeit nicht bei gefühlten 120% läge.

Die ersten paar Tage war das auch ziemlich nervig; inzwischen habe ich mich allerdings daran gewöhnt, sodass auch tagsüber joggen gehen nicht mehr unmöglich ist. Das hätte ich am ersten Tag definitiv bleiben lassen sollen, aber nachher ist man immer schlauer. Ich glaube so nah an einem Infarkt wie nach dieser halben Stunde laufen bin ich bisher noch nicht gewesen. Naja, mag aber auch alles an meiner eher dürftigen Kondition liegen.


Kommen wir nun zu wichtigeren Dingen wie meiner Unterkunft; wenn man das so nennen kann. Ich besitze für die nächsten 18 Wochen ganze gemütliche neun Quadratmeter; und das ganz für mich alleine! Mein Zimmer stellt sich als ein absoluter Glücksgriff dar und das aus folgenden Gründen:

  1. In dem Wetter, das ich gerade beschrieben habe, ohne Klimaanlage einzuschlafen und nicht mindestens fünf mal nachts aufzuwachen ist eine echte Herausforderung.

  2. Der vielleicht größte Vorteil allerdings ist, dass meine Fensterseite zum Süd-Osten hin ist: Das bedeutet ab acht Uhr Morgens Sonne satt!

  3. Ein weitere großer Knüller ist die Einrichtung. Ich bin zwar kein Innenarchitekt, aber wenn ich schon nur 9 Quadratmeter zur Verfügung habe, dann würde mir persönlich einfallen das Bett an die Wand zu stellen. Nicht so hier: Mein Bett stellt einen ganz fantastischen Raumteiler dar. Ich hätte es auch schon umgestellt, aber da der Kleiderschrank eingebaut ist, ist das nicht drin.

(An alle, die von meiner Unterkunft in den ersten paar Wochen in Hamburg wissen: Das war dagegen reines Hotelfeeling)



Das man sich aber ja bekanntlich an alles gewöhnt und ich so nicht viel Zeit in meinem Zimmer verbringe, konnte ich mir schon ein bisschen die Stadt anschauen.

Meine Uni liegt dafür eigentlich ganz gut. Zum einen habe ich es nicht weit in die Innenstadt und zum Strand nach Sentosa (eine kleine Insel im Süden von Singapur) ist es auch nur ca. eine halbe Stunde. Das heißt in meiner ersten Woche musste ich täglich die äußerst schwierige Entscheidung treffen mir die Stadt anzuschauen und einkaufen zu gehen oder es mir unter einer Palme gemütlich zu machen. Diejenigen, die mich gut genug kennen, werden wohl ahnen können wie die Entscheidung zwischen Shoppen und am Meer liegen ausgefallen ist.


Ein paar Tage habe ich aber auch schon für Stadtbesichtigungen genutzt und kann erstmal nicht bestätigen, dass es hier alles so sauber sein soll. Natürlich sind die touristischen Stellen und die Straße, die vom Flughafen wegführt, mit Bäumen gepflastert, sehr sauber und verkehrstechnisch ordnungsgemäß. Also so, wie es der deutsche auch gerne hat, wenn er ins Ausland fährt. Begibt man sich allerdings mal in die Stadtteile Little India oder Chinatown, sieht alles schon wieder ganz anders aus. Hier ist es unordentlich, es riecht nach Durian (eine Frucht die so erbärmlich stinkt, dass sie hier in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten ist) und man muss aufpassen dass man nicht überfahren wird. So eben wie es viele Inder und Chinesen lieber haben. Dazu eine kleine Geschichte die mir ein Amerikaner erzählt hat: Er meinte, er sei in Little India über die Straße gelaufen und hätte auf einmal einen recht starken Druck auf seinem linken Fuß gespürt. Als er sich daraufhin nach unten umschaute, bemerkte er, dass da ein PKW draufstand. Der sich darin befindliche Fahrer war wohl stinksauer auf den Ami und wollte den Fuß nicht verlassen, denn er ging selbstverständlich davon aus, dass der Amerikaner sich schleunigst unter seinem Auto wegbewegen würde.



Abschließend zum ersten Eintrag nun noch ein paar Infos zum Nachtleben:

Es gibt hier so einige Bars und Clubs im Angebot, die aber alle nicht bezahlbar sind. Jedenfalls was den Alkohol angeht. Wenn man hier etwas trinken gehen will, sollte man danach ein paar Tage hungern. Nur ein kleiner Anhaltspunkt zu den Preisen: Ich war am Mittwoch in einem Club und habe ein kleines Bier und (ich konnte nicht lassen) zwei Jägermeister bestellt. Als ich dann mit einem 50 $ Schein bezahlt habe (umgerechnet € 25), habe ich vergeblich auf Rückgeld gewartet. Ein anderer sehr seltsamer Aspekt ist hier die überall präsente Security wenn man feiern geht. Hier steht in jedem Club alle 10 Meter ein Sicherheitsmann mit Taschenlampe und schaut sich die Leute an als hätten die Anwesenden heute Ausgang und es bestünde akute Fluchtgefahr.

Ansonsten war die erste Zeit hier aber hochinteressant, da man ständig Leute aus den verschiedensten Nationen kennen lernt und durch das preiswerte und unkomplizierte Reisen die ganze Region Südostasien quasi um die Ecke ist. Zum meinem ersten Trip nach Tioman gibt’s mehr im nächsten Eintrag.

12.8.08 20:55


Die erste Woch Uni

 

Ich habe mich nun endlich mal aufgerafft um wieder etwas zu schreiben. Erst einmal an dieser Stelle lieben Dank fuer die netten Reaktionen auf den ersten Eintrag.

Eigentlich sollte dieser Eintrag ja ueber meinen Trip nach Tioman gehen, aber das muss nun noch bis Ende der Woche auf sich warten.

Letzte Woche Dienstag hat bei mir die offizielle Vorlesungszeit begonnen und nach nun einer Woche weiss ich auch endlich welche Vorlesungen ich hier belegen werde. Das liess sich bisher nicht hundertprozentig einordnen, da man sich hier fuer die einzelnen Vorlesungen ueber ein System im Internet bewerben muss und erst diese Woche klar wurde wo man nun drin ist und wo nicht. Eine ganz fantstische Idee wie ich finde, da man erst einmal eine Woche lang zu allem hinrennt. Es koennte ja wichtig sein?!

Bie mir ist heute die letzte digitale Entscheidung gefallen und ich werde nun folgene vier Vorlesungen dieses Semester belegen:

  1. Datenbanksysteme (hoert sich so spannend an wie es ist: muss ich aber nehmen, da es eine der wenigen Sachen ist, die ich mir in Deutschland bei unserem geliebtem Informatikinstitut anrechnen lassen kann)
  2. Projektmanagement (das wird die Kollegen bei Airbus sicher freuen)
  3. Chinesisch
  4. Interkulturelle Kommunikation

Die erste Vorlesung wird wohl entwas anspruchsvoller, da ich sie zusammen mit asiatischen Informatikern habe, die alle schon Vorkenntnisse haben, was diesen Bereich angeht. Es wird also traumhaft, weil die alle eh schon 16-Stunden Tage fahren.

Zur zweiten Vorlesung gibt es eine nette Anekdote in Bezug auf Motivation. In der ersten Woche versuchen hier alle Professoren die Studenten fuer Ihr Fach zu begeistern, da man es sich noch ueberlegen kann, ob man das Fach wirklich nimmt oder es ablegt. Der Prof in Projektmanagement hatte sich da gedacht, dass Geld in Singapur da immernoch am besten zieht. Er hat also die erste Vorlesung damit beendet uns eine Tabelle vorzulegen, in der in Gehaltstabellen die Einstiegsgehaelter von Ingenieuren mit Projektmanagementhintergrund mit denen ohne solche Kenntnisse verglichen wurden. Das fanden alle Anwesenden dann ueberzeugend genug. Wenn noch einer glaubt die Chinesen (das ist hier die Mehrheit der Studenten) seien Kommunisten, der sollte sich unbedingt mal deren Gesichter anschauen, wenn es um Geld geht. Das sieht mir nach weit mehr Begeisterung aus, als beim Thema politische Ideologie.

Die Chinesischvorlesung wird wohl die arbeitsaufwendigste werden, obwohl ich dazu direkt sagen moechte,  dass ich hier sicherlich nicht vorhabe mich in den naechsten 5 Monaten zu ueberarbeiten. Die Vorlesung wird wohl vor allem deshalb recht aufwendig, da die Lehrsprache nur Chinesich ist, da es um das Englisch der Lehrerin nicht besonders gut bestellt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass wir nur 8 Leute in der Klasse sind und davon ein paar chinesische Eltern haben. Wenn das alles so klappt, sollte mich das hier also sprachtechnisch doch ein Stueck weiterbringen. Allerdings gestaltet sich der Unterricht ein wenig anders als in China. Unsere allererste Vokabel war ungelogen Pornographie. Das hatte ich nicht unbedingt erwartet und ebensowenig die Frage die darauf folgte. Da zu jeder Vokabel immer ein Beispielsatz gebildet wird, war er in diesem Fall die Frage an jeden einzelnen von uns, ob und wo man bei uns im Heimatland Pornomagazine kaufen koenne. Die Antworten gestalteten sich als sehr unterschiedlich aber ziemlich unterhaltsam. Nach ca 45 Minuten wurde der Unterricht durch einen Feueralarm unterbrochen, auf den die Lehrerin reagierte indem sie die Tuer oeffnete, sagte sie sehe kein Feuer und einfach weitermachte. Kurz darauf wurden wir dann von einem Drill Instructor aus dem Raum geholt (in Singapur ist das alles haargenau geregelt). Das beruhigende an der Sache war, dass wir, als wir rauskamen, feststellen mussten, dass es im unteren Stockwerk unseres Gebaeudes wirklich brannte. Als wir darauf die Lehrerin, die inzwischen den Unterricht draussen fortgesetzt hatte, darauf hinwiesen, sagte sie nur dass uns das Feuer im vierten Stock doch eh nie erreicht haette.

Zur letzten Vorlesung kann ich noch nichts sagen, da ich diese erst am Donnerstag das erste mal haben werde.

Ich lass bald mal wieder von mir hoeren. Dieses Wochendende geht es wohl auf eine kleine Insel in Indonesien, nur eine Stunde weg von hier. Mehr davon dann in Kuerze hier. Gruesse und danke fuers Interesse.

19.8.08 14:56


Trip nach Pulau Tioman


Erst einmal vielen Dank für die doch sehr netten Kommentare und Gästebucheinträge hier im Blog. Das macht es zwar nicht einfacher weit weg von der Heimat zu leben, aber dann kommt man umso lieber wieder zurück. Ich freue mich über jeden Gruß und jede Anmerkung.
Die Minireise nach Tioman ist zwar nun schon drei Wochen her, aber es lohnt sich trotzdem darüber zu schreiben. Tioman ist eine kleine wunderschöne Insel an der Ostküste von Malaysia. Der Trip dorthin hatte schöne und völlig desaströse Aspekte.

Kommen wir erst einmal zu den schönen Dingen:
Es war unfassbar preiswert. Für jeden, der schon mal in Südostasien unterwegs gewesen ist, ist das wohl nix neues, aber ich fand den Preis für das Gesamtpaket doch schon erstaunlich:
Das Gesamtpaket bestand aus zwei Übernachtungen, Transport (ca. 7 Stunden mit Bus (gleich mehr dazu im desaströsen Teil) und Boot), Verpflegung und einer Strandparty all inklusive. Das ganze hat umgerechnet 70 € gekostet. Da überlegt man nicht zweimal. Vor allem bleibt dann wirklich nur die Frage, warum man überhaupt noch ein Wochenende in Singapur verbringen soll? Man reist billiger durch Malaysia als man in Singapur „ist“.
Ebenfalls schön ist die völlig unkomplizierte Art des Reisens hier. Die Überquerung der Grenze von Singapur nach Malaysia ist ähnlich einfach wie ein Trip von Düsseldorf nach Roermond. Das liegt wohl auch daran, dass hier jeden Tag zigtausend Menschen beidseitig diesen Übergang nutzen. Es gibt ja nicht so wahnsinnig viele Möglichkeiten, wenn man von hier nördlich abhauen will.
Seit ein paar Monaten ist dieser Grenzübergang allerdings damit verbunden, dass man seine Fingerabdrücke ablegen muss. Das kommt daher, dass hier seit ungefähr dieser Zeit ein Terrorist auf der Flucht ist. Ganz Singapur ist zuplakatiert mit Fotos von einem Mann, der hier wohl aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Diese Fotos hängen wirklich überall: In der U Bahn, den Studentenwohnheimen, ja sogar vor dem Zoo. Ich habe mich dann mal erkundigt, wer das eigentlich sei und es stellt sich heraus, dass dies einer der Hauptverantwortlichen der Anschläge auf Bali ist. Einige sagen allerdings, dass die ganzen zusätzlichen Grenzkontrollen eine absolute Alibi Aktion der Singapurer Behörden seien, da sich hier keiner vorstellen kann, dass aus dem Gefängnis jemand ausbrechen kann. Die Vermutung vieler ist, dass man ihm den Ausbruch nur ermöglicht hat, um ihn erschießen zu können. Aber das könnte auch linke Studentenpropaganda sein
Nachdem man dann als deutscher erfolgreich die Grenze passiert hat, merkt man sofort, dass man sich nicht mehr in Singapur befindet. Johor Baru (die erste Stadt hinter Grenze) ist lauter, der Verkehr ist chaotischer, die Menschen wollen einem alle paar Meter was andrehen und man fühlt sich irgendwie direkt wohl. Malaysia gehört allerdings schon zu den eher kultivierteren Ländern Südostasiens. Das merkt man alleine daran, dass es hier gute Straßenverhältnisse gibt, was natürlich nichts an der Fahrweise der Einheimischen ändert. Die ist mit einem Wort: bekloppt. Da wir nachts unterwegs waren, gestaltete sich die 4-stündige Autofahrt im Minivan aus dem Jahre 1820 noch etwas spannender. Unser Fahrer hatte alle paar Minuten das dringende Bedürfnis seinen Vordermann mit Hilfe der Gegenspur zu überholen. Dabei spielten folgende Faktoren keine Rolle:
1.Geschwindigkeitsdifferenz zwischen unserem und dem vorderen Auto
2.Das miserable Beschleunigungspotential unserer 8 PS
3.Unmöglichkeit der Sicht auf die Gegenspur wegen Kurven oder Anhebungen
Beten war also angesagt und es scheint geholfen zu haben. Ein paar Stunden später waren wir dann in Mesalla, um von dort auf die Fähre nach Tioman zu springen. Die Fährfahrt war sehr entspannend und man wurde damit begrüßt, dass das Ticket von der Einverständniserklärung erfüllt war, man tue das folgende alles auf eigene Gefahr und die Schiffsbetreiber seien für keinen Schaden verantwortlich zu machen. Da steigt man bedenkenlos und gerne ein.
Angekommen auf der Insel kann man nicht viel sagen, außer dass sie wirklich traumhaft schön ist. Im inneren ist tropischer Regenwald und die Küsten werden von endlosen einsamen Stränden eingenommen. Wenn einem mal langweilig wird, kann man eine Kokosnuss vom Baum schütteln und den halben Tag damit verbringen das Mistding aufzubekommen, bis man einfach nach 2 Stunden im Haus hinter sich nach einem Beil fragt, dass die Geschichte dann in zwei Minuten für einen erledigt. 


 Tioman vom Boot aus

 Für alle, die mal wissen wollten wie eine Ananas wächst
 
 
 
 
 
Eine schöne Geschichte gibt es zum Abschluss dieses Trips noch zu erzählen. Zwei Engländer aus der Gruppe hatten sich am Abreisetag morgens auf den Weg in den Dschungel gemacht; in der Annahme bei der Wanderung handele es sich um einen Rundweg. Dem war aber nicht so und so waren sie zur vereinbarten Abreisezeit nicht da. Wir mussten aber los, weil unser Boot ablegte. Da wir wussten, wo der Weg endete, nahmen wir Ihre Taschen mit und hofften sie auf der anderen Seite der Insel wieder anzutreffen, da uns das Boot als Zwischenstation dort hinbringen würde. Dort waren die Jungs aber auch nicht. Es wurde entschieden man könne die Taschen nicht einfach auf der Insel stehen lassen und so nahmen wir sie mit. Eine Stunde nachdem unsere Fähre das Festland erreicht hatte, bekamen wir einen Anruf von einem der Vermissten. Inzwischen hatten wir festgestellt, dass die Pässe und Portemonnaies der beiden sich ebenfalls in unserem Besitz befanden. Der Anruf gestaltete sich als sehr kurz und ich konnte nur ein paar Sätze aufschnappen. Die waren aber schon lustig genug. Der erste war: “Was? Ihr seit immer noch im Dschungel?“ Da war es bereits 19:30 und fast dunkel. Aber der zweite Satz war viel schöner. Auf die Frage, wie viel Geld die beiden bei sich hätten und ob sie es damit am nächsten Tag zurück zur Grenze schaffen würden, kam eine kurze Zeit nichts und dann: „Was? Wie viel?“ Dann wieder nichts. Darauf dann: “Ach du Scheiße, 7 Ringid?“ Das sind umgerechnet 1,40 Euro. Just in diesem Moment brach das Gespräch ab. Also Malaysia ist zwar billig, aber zu zweit für 7 Ringid ohne Pass 400 km bis zur Grenze zu kommen ist schon eine Herausforderung. Ich weiß nur, dass sie es geschafft haben. Wie ist mit bis heute schleierhaft.
Naja, der Trip hatte sich alleine deswegen für mich gelohnt, da man sehr viele Kontakte knüpfen konnte und ich mit einigen der Leute dort schon den ein oder anderen weiteren Trip geplant bzw. durchgeführt habe. Unter anderem nach Kuala Lumpur und Bintan (eine kleine Insel südlich von Singapur). Dazu hoffentlich bald (das heißt nicht erst wieder nach drei Wochen) mehr.
 
 
Weil ich drauf angesprochen wurde, hier auch mal ein Bild von mir. Das will doch nun wirklich niemand sehen.
6.9.08 13:17





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